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Das Ende der Diskussionskultur

In den letzten Wochen widerfährt uns besonders in der Facebooklandschaft eines vermehrt und immer radikaler: eine komplette Aversion gegen Diskussionen und mangelnde Kritikfähigkeit. 

Vor kurzem schrieben wir daher schon einen Blogtext zum Andreas "Bär" Läsker, mit der Passage: 

"Bei Andreas Läsker wird man als Veganer allein schon deshalb blockiert, wenn man kritische aber richtige Anmerkungen verfasst. Er vertritt damit die moderne Haltung vieler Veganer, die sich in einen Kuschelveganismus flüchten um, gleich vielen der Rechten-Szene, in ihren Informationsblasen, alles, was irgendwie ungemütlich ist, auszublenden."

https://www.falcat.org/2017/11/10/andreas-bär-läsker-der-realitätsferne-veganonkel-und-die-krux-der-szen/

 

Wir sind auf Facebook relativ aktiv und beteiligen uns immer mal wieder an Diskussionen und für uns relevanten Themen. Und dabei nehmen wir natürlich oft eine entsprechend kritische, hinterfragende Position ein... und so schwinden unsere Gruppen, aus denen wir entweder geworfen werden oder lieber gehen, weil dort knallhart der Rotstift angesetzt wird. Kommentarfunktionen werden blockiert oder ganze Beiträge gelöscht. Auf solchen Seiten bleiben wir natürlich nicht, denn wenn keine Debatten entstehen können, tritt Stagnation ein... und die ist der Tod des Tierrechtsgedankens. Ohne Reibepunkte, ohne Diskussion, ohne Kritik oder gepflegten Streit kann sich keine Philosophie, keine Gesellschaft weiterentwickeln. 

Dieser grundsätzliche Gedanke der Philosophie, auf der unsere ganze menschliche Zivilisation fußt, wird immer wieder und immer mehr in den Foren und Gruppen mit Füßen getreten. 

Wie extrem das teilweise ist, zeigt der aktuellste Verlauf, der hier einmal zitiert wird, das Thema war ein veganes Hundefutterrezept, bei dem wir anmerkten, dass nicht auf Biozutaten verwiesen wurde und auch die Bedarfsdeckung nicht sicher gewährleistet ist: 

 

C. H.

Gruppenadministrator

Cathrin Weinrich es ist ein bedarfsdeckendes Supplement angegeben. Das Rezept stammt von dem Vegdog Blog und würde von L.W. erstellt. In unserem Beitrag haben wir drei versucht, 7ber das Thema aufzuklären und uns mehr an anderen Aspekten orientiert (Erfahrungen und Artgerecht) lese doch den gesamten Beitrag mal, wenn es dich interessiert. Zu der Sache mit Bio: das Rezept kann jeder mit den Produkten nachkochen, die er/sie zur Verfügung hat. Ob Bio oder nicht bleibt dabei jedem selbst überlassen.

 

 

Cathrin Weinrich Bio sollte aber der Standard sein und ganz selbstverständlich immer empfohlen und vorgelebt werden. Ansonsten lesen wir gern und regelmäßig auf der Seite. Dennoch ist das bei Hunden mit der Nährstoffresorption und bedarfsgerechten Zufuhr noch ein relativ unbekanntes Terrain... besonders, wenn man keine Supplemente füttern will.

 

 

C. H.

Gruppenadministrator

Keiner von uns befürwortet eine Ernährung ohne Supplemente.

 

 

Cathrin Weinrich C.H. Es geht um das Verhältnis: Wie viel des Nährstoffbedarfs wird durch Supplemente/fertiges Futter abgedeckt, wie viel durch das Zukochen? Und wie ist dann die biologische Verwertbarkeit des Prozentsatzes an zugekochtem Futter? – Da bleiben einfach grundsätzlich Fragen offen. Wir geben keine extra Supplemente, sondern füttern immer ein Bioveganes Trockenfutter, in der Hoffnung, dass dies die Grunversorgung deckt und kochen extra hinzu. Wir lassen regelmäßig das Blut checken... aber es bleibt ein Spiel mit der Hoffnung, weil genaue Zahlen und Forschungserkenntnisse fehlen/oder wir nur davon nichts wissen.

 

 

M. A.

Gruppenadministrator

Cathrin Weinrich ob man Bioprodukte kauft und füttert ist ja jedem selbst überlassen!

 

 

M. A.

Gruppenadministrator

Und Biofertigfutter kann eigentlich nie bedarfsdeckend sein, da ja nicht alles notwendige zugesetzt werden darf!

 

 

Cathrin Weinrich M. A. Bio sollte aber Standard sein und auch so kommuniziert werden. Wir sind ja auch auf einer Veganseite. Und dem bioveganen Fertigfutter ist ja alles beigesetzt, was den Bedarf decken sollte ... zumindest hoffen wir das... und da ist sie wieder, die Hoffnung.

 

 

C. H. Welches verwendet ihr denn?

 

 

M. A. Naja Bio heißt ja nicht vegan. Somit ist Bio hier in der Gruppe kein Standard! Zu mal alle Biofuttersorten nicht bedarfsdeckend sind also eigentlich nur Ergänzungsfutter sind!

 

 

Cathrin Weinrich M. A. Meistens Benevo... aber natürlich sind wir noch nicht vollends zufrieden. Und bio und vegan gehört natürlich zusammen. Veganismus will Leid ersparen. Und Bio und Fairtrade ist genau das: Leid ersparend. Was nützt es kein Tier zu essen, aber Tiere indirekt über Pflanzenpestizide zu vergiften, oder Kinder in indischen Sweatshops malochen zu lassen... oder chinesische Flüsse durch die Kleiderfärbung zu vergiften...was ja auch wieder Tiere und Menschen tötet. Wer glaubt Veganismus hört beim "pflanzlich essen" auf, der hat das Prinzip der Philosophie nicht verstanden und denkt zu kurz. Veganismus heißt nicht "pflanzlich essen", sondern ist eine ethische Lebenseinstellung.

 

 

M. A. Du weißt aber schon, dass in der Biolandwirtschaft mit Tiermist gedüngt wird!? Ist also nicht vegan 

 

 

Cathrin Weinrich M. A. Viele gute Unternehmen düngen biovegan. Es geht auch nicht darum, perfekt zu leben, sondern so gut wie möglich. Und das heißt, so viel Leid zu ersparen, wie man kann. Und da ist bio und Fairtrade eben absolut selbstverständlich.

 

 

M. A. Da gibt es nur sehr sehr wenige hab mich gerade zwecks Solawi intensiv damit beschäftigt. Ich kauf lieber regional als Biogemüse das von sonst wo her gekarrt wird. Und solche Diskussionen sind hier in der Gruppe fehl am Platz!

 

 

C. H. Sorry, aber langsam nervt es mich. Nur Bio und fairtrade kann sich nicht jeder leisten. Und es ist für diese Gruppe keine Voraussetzung. Du darfst ja auch deine Geweihstangen füttern. Und Benevo ist aber echt nicht das beste Futter.

 

 

 

L. W. Kann mich M. A. nur anschließen, Bio ist nicht Pflicht. Mein Hund bekommt als Ergänzung zum TF von dem, was ich esse. Oft eben kein Bio

 

 

Darauf wollten wir gerade noch folgenden Satz schreiben:

 

M. A. 

Solche Diskussionen sind überhaupt nicht fehl am Platz. Bei unser täglichen Arbeit und auch Rücksprache mit Tierärzten kommt immer mehr raus, was eine nicht Bio-Fütterung an negativen Folgen für Hunde haben kann. Regional heißt nicht, dass die Nahrungsmittel nicht ewig in einem Kühlhaus lagen oder mit Sonstwas bespritzt oder genverändert sind.

Zu C. H.: Ob es dich nervt ist uns echt ziemlich egal. Du musst dich nicht daran beteiligen. – Das Benevo nicht das Beste ist, ist uns klar. Wir haben nur bisher noch kein besseres gefunden... daher suchen wir weiter und kochen viel frisch dazu. Was die Geweihstangen nun damit zu tun haben? - Ziemlich schwacher Versuch.

Zu L. W.: Es ist natürlich Pflicht... nur sehen das zu wenige Veganer so. Das ist eben eine bedenkliche Verwässerung des Veganismus, der man künftig unbedingt strukturiert begegnen muss.

....aber der wurde schon nicht mehr abgeschickt, da der Thread geschlossen war. Wegen dieser harmlosen kleinen Debatte wurde eine Diskussion geschlossen. Wenige Tage zuvor wurde in einer anderen Gruppe gar ein ganzer Beitrag gelöscht, weil einem Admin wohl einfach die Argumente nicht gefielen.

Das Internet bietet durch seine internationalen, vielfältigen Diskussionsmöglichkeiten das Potenzial die Menschen und ihre Philosophie voranzubringen... aber nicht, wenn die Menschen nicht die innere Größe haben über ihren eigenen Horizont oder eigenes Ego zu steigen, um andere Meinungen und auch unangenehme Kontroversen zu zulassen.

 

Eine Debatte hat niemals geschlossen zu werden. Wenn grobe Beleidigungen fallen, kann man die entsprechenden Personen abmahnen oder blockieren. Aber eine Diskussion zwischen Menschen zu blockieren, oder gar einen ganzen Gesprächsverlauf zu löschen ist kontraproduktiv und entspricht nicht dem Sinn eines Gesprächs oder zwischenmenschlichen, gesellschaftlichen Konventionen. Dieses Verhalten greift derzeit bedrohend um sich und die User, die Anwender und Teilnehmer müssen sich geschlossen gegen diese faschistoiden Tendenzen stellen.

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