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Jägerlatein – Jägerin im True Talk

Wenn Jäger über ihre Tätigkeiten reden, wird es meistens phrasenlastig und dies bietet viel Angriffsfläche für faktenversierte Menschen. Wer aus der Biologie und Forschung kommt hat selten viel Mühe, alle Jägerargumente zu widerlegen. Wer dann, wie wir, schon seit Jahren unzählige Diskussionen mit Jagdbefürwortern führt, hat jedes Argument schon zig mal gebracht und kann bei den meisten Pro-Jagd-Beiträgen nur abwinken.
Da ist der recht kurze Beitrag von „True Talk“ keine Ausnahme. In diesem Sendeformat des SRF äußern sich Menschen zu bekannten Klischees und Vorurteilen. So antwortet ein Autist z.B. auf die vorurteilsbehaftete Frage, ob alle Autisten sozial unfähige Genies sind. Eigentlich ein gutes Format. Das Problem ist, wenn Menschen Falschaussagen tätigen und Zuseher diese, mangels Gegenposition, einfach glauben.
Und die junge Jägerin Gina reagiert eben auf Jägerklischees. Leider sind diese Klischees zumeist keine Klischees, sondern entsprechen der Realität, die Jäger aber einfach ungern hören. In Debatten haben Jagdgegner gegen selbstbewusst auftretende Jäger gern einmal Probleme. Aber mit etwas Übung und dem entsprechenden Faktenwissen, kann man in den Diskussionen sehr entspannt bestehen. Denn, soviel sei gesagt: Die Wissenschaft ist nicht des Jägers bester Freund und es gibt keine wissenschaftliche Grundlage für die heutige Form der Jagd, wie sie in Deutschland angewandt wird.

Eine Übersicht findet sich in unserem Blogtext:

„Argumente gegen die Jagd“ ( https://www.falcat.org/2018/07/01/argumente-gegen-die-jagd/ ).

 

Hier werden Ginas Äußerungen sehr hart analysiert und es werden teilweise Verhaltensweisen von Jägern mit denen von Serienmördern/Psychopathen gleichgesetzt. Das heißt nicht, dass wir allgemein Jäger, oder im speziellen Gina, als Psychopathen bezeichnen. In den meisten Fällen sind Jäger einfach in ihrer Meinung geprägt. Sie wurden vom Kleinkindalter an auf gewisse gesellschaftliche Normen geprägt und haben sich niemals objektiv mit den Hintergründen ihrer Verhaltensweisen auseinandergesetzt.
Es soll hier keine Wertung der Menschen stattfinden, sondern Ginas Äußerungen ganz trocken betrachtet werden – auch, wenn dies viele natürlich emotional aufbringen wird.

 

1. „Wenn ich Mitleid habe, dann mache ich Fehler und kann mich auf der Jagd nicht konzentrieren.

 

Das würde wohl jeder so sagen, der etwas negatives ausübt. Der Vollstrecker von Todesurteilen darf kein Mitleid zulassen. Das geht aber nur, wenn man dem Gegenüber das Recht auf Unversehrtheit abspricht. Man entwertet das andere Lebewesen. Fehlt Mitleid, ist die gefühlte Anteilnahme von Schmerz und Leid anderer abwesend. Man fragt sich, womit ein Tier es verdient, ihm dieses Recht zu entziehen?
Würde ein Jäger sich aus tiefstem Inneren im Recht sehen, müsste er sich nicht erst zur Mitleidslosigkeit zwingen. Er zwingt sich also zu etwas, dass gegen seine Natur steht, denn Mitleid ist ein elementarer Wert unserer Gesellschaft und sozialen Ordnung.
Wenn er sich nicht dazu zwingt, ist der/die Jäger/in frei von Empathie. Empathielosigkeit ist aber eine antisoziale Persönlichkeitsstörung und eine der Definitionen von Psychopathen. Also entweder ist der Jäger frei von Empathie, was eine psychische Störung ist, oder er zwingt sich zur Mitleidlosigkeit. Dies findet z.B. in Form von Selbstbetrug statt. Man redet sich ein, dass das Tier doch ein schönes Leben hatte und der Abschuss nun einmal sein musste. Dabei macht man sich die ganze Sache aber äußerst leicht. Denn zum einen ist eine Tötung immer ein gewaltvoller Akt und es ist unerheblich, wie schön das Leben zuvor war, wenn es nun willkürlich beendet wird. Und zum anderen muss ein Abschuss so gut wie niemals sein, da es immer Optionen gibt. Die allermeisten Optionen sind dem Tötungsakt vorzuziehen. Dies sieht nicht nur unsere Ethik, nach der wir alle leben, so vor, ja sogar die christliche Religion kennt keine negativere Tat, als das Töten.

 

2. Jäger sind keine Mörder, weil: „Wir erlegen ein Tier, aber waidmännisch und artgerecht“.

 

Waidgerechtigkeit ist eine Art Ehrenkodex für Jäger und als solcher frei von wissenschaftlicher und philosophischer Grundlage. Einige Aspekte sind zwar löblich, in der Realität aber kaum umzusetzen, bzw. werden oder können nicht garantiert werden. Es ist zwar waidmännisch durch einen Blattschuss ein Tier ohne Leid zu töten, aber Fehlschüsse sind an der Tagesordnung. Es ist waidmännisch, kein tragendes Muttertier zu erschießen, doch wer kann das schon ohne medizinische Untersuchung, durchs Visier sehend, genau sagen?

 

Artgerecht ist der ganze Jagdprozess ohnehin nicht. Weder hat die heutige Jagd etwas mit artgerechten Kreisläufen und Verhaltensmustern zu schaffen, noch ist das willkürliche Erschießen von Lebewesen artgerecht. Wo der Mensch destruktiv wirkt, ist Artgerechtigkeit abwesend. Es ist ein Ammenmärchen, wenn man glaubt, ein Tier artgerecht töten zu können. Dies ist Wolf und Luchs vorbehalten. 

 

Mord ist ein Tötungsdelikt. Unser Strafrecht sieht dieses dem Menschen vorbehalten. Da es aber keine wissenschaftliche Grundlage dafür gibt, hohe Formen von Lebewesen gegeneinander in ihrem Wert abzustufen, ist die heutige Anwendung fehlerhaft. Der Mensch ist ein Tier. Wenn es Mord ist, dieses Tier zu töten, ist es auch Mord, ein anderes Tier mit Vorsatz zu töten. 

 

 

3. "Jäger ballern nicht auf alles, was sich bewegt, denn die Jagd unterliegt einem Gesetz, welches die Begrenzung der Wildschäden, den Schutz der bedrohten Arten, und die Artenvielfalt beinhaltet. „Somit ist vorgegeben, was ich erlegen darf und was nicht."

 

Natürlich ballern Jäger nicht auf alles, was sich bewegt. Solch polemischen Aussprüche finden sich vielleicht in stumpfen Facebook-Debatten, aber nicht in sachlichen Diskussionen. Jäger erschießen aber nicht die alten und schwachen, auch nicht die Jungtiere, wie es richtige Beutegreifer tun, sondern erfüllen eine komplett willkürliche Jagdquote. Dazu kommt der Faktor Trophäenjagd, die vor allem gesunde, starke Tier betrifft. Das ist das Gegenteil von Artenschutz. Bedrohte Arten wie der Feldhase werden zudem noch bejagt und hierzulande gar nicht heimische Arten, wie der Fasan, wurden von Jägern zuerst eingeschleppt, dann gefördert, um sie heute jagen zu können. Links dazu im Anhang. 

 

Ein sehr entlarvender Absatz:

 

4. „Klar mach ich Fotos mit dem Tier, das ich erlegt habe. Weil ich auch stolz sein darf und weil ich mich auch freue, dass ich es erschiessen durfte. Aber es hat nichts mit Morden zu tun, sondern mit dem ganzen Erlebnis. Ich bin diesem Tier in seinem Lebensraum begegnet und habe mich mit ihm gemessen. Und durfte es schiessen. An dieses schöne Erlebnis erinnere ich mich gerne." 

 

Spätestens hier sollte nun auch nicht ausgewiesenen Jagdgegner die Sachlage langsam klar werden. Sie, wie die meisten Jäger, macht Fotos um sich zu erinnern, verbindet ein positives Gefühl damit. Ist, wie Gina ja auch sagt, sogar stolz auf den Jagderfolg.
Nun muss man differenzieren, denn geht es den Jägern, wie sie sagt, nicht um den Artenschutz, den Schutz vor Wildschäden etc.?
Selbst wenn man also daran glaubt, wenn man also die Jagd für notwendig hält, weil man es nicht besser weiß, und man sich einfach dazu zwingt, kein Mitleid zu haben, um diese Notwendigkeit absolvieren zu können, dürfte einem das „Erlebnis“ der Jagd, besonders der Abschuss des Tieres, keine Freude machen. Schon gar nicht dürfte Stolz vorhanden sein. 

 

Stolz ist eine Freude, die mit der Zufriedenheit seiner selbst oder der eigenen Leistung einhergeht. Aber, erfüllen Jäger denn nicht mit dem Erschiessen von Tieren nur eine notwendige, aber unangenehme Arbeit, die einfach jemand machen muss? – Wenn man sich dazu zwingen muss kein Mitleid zu empfinden, wie kann dann in der gleichen Situation Stolz und Freude eintreten?

 

Entweder liegt der emotionalen Situation abermals eine psychopathische Komponente zugrunde, oder die Jäger belügen sich so derart tiefgreifend und verklärend, dass man von massiven Störungen ausgehen muss.
Etwas mehr Ehrlichkeit täte schon gut. Der Jäger, der sagt: „Ich empfinde nichts für die Tiere. Ich will die auch nicht einfach nur schützen. Ich will sie schießen, essen und den Kopf an die Wand hängen“, versteckt sich wenigstens nicht hinter verlogenen Floskeln, sondern steht zu seiner Überzeugung. Wie diese dann ethisch zu werten ist, ist ja ein anderes Thema. 

Trophäen sind an sich eine barbarische und primitive Form des Zurschaustellens von Stolz. Dabei spielt es aus psychologischer Sicht gar keine Rolle, ob man die Köpfe seiner Feinde an die Burgmauern hängte, oder Schrumpfköpfe an den Gürtel; ob man die Vorhäute der Gegner behielt, oder eben die Geweihe über die Haustür nagelt. Die zu Grunde liegenden Ursachen sind sehr einfach strukturiert und sich absolut ähnlich.
Und, ja, ein Foto des Opfers ist nichts anderes, als eine Trophäe. Dies alles widerspricht den eigentlich so umweltschützenden Zielen der Jagd zutiefst, und offenbart, was wirklich die Ziele der meisten Jäger sind. Natürlich auch die Zeit in der Natur. Die Leute sind sicher gern draußen und irgendwie mögen sie ja bestimmt auch „die Umwelt“. Sie sind nur leider komplett falsch geprägt und unterliegen irrationalen Traditionen und längst überholten, nicht mehr aktuellen Glaubensmodellen. 

Wer also kein Mitleid empfindet, wer stolz auf seine Beute ist und sich Teile seines Opfers, oder Bilder davon als Erinnerungsstücke aufbewahrt, handelt nicht wie ein Tierschützer, noch nicht einmal wie ein Mörder, der vielleicht aus einem Affekt heraus mordete, und nicht recht bei Sinnen war. Nein, der handelt wie ein Serienmörder, ein Psychopath, der nach bestimmten Riten vorgeht. Noch einmal: Das heißt nicht, dass Jäger grundsätzlich Psychopathen sind, denn ihre Handlungen werden ihnen als Traditionen von Klein auf an vorgelebt und eingetrichtert; hier soll nur offenkundig werden, welchen unangenehmen Vergleich der Verhaltensweisen man heranziehen kann. Diesen Schuh will sich kein Mensch anziehen… aber argumentativ ausziehen können Jäger sich diesen auch schwerlich…

 

5. „Das Jäger nicht viel können müssen, stimmt natürlich nicht. In der Schweiz müssen wir ein einjähriges Hegejahr absolvieren. Dort lernen wir alles über Biologie, Ökologie, über Jagdhunde und Waffen.“

 

Ach, alles lernt man in diesem Jahr? Komisch, geht das Biologiestudium nicht ein paar Semester länger und ist selbst dann noch nicht mal in die echte Tiefe gegangen? Cathrin hat 6 Jahre Biologie studiert und würde nicht sagen, alles gelernt zu haben, was man lernen kann. Wir haben allein ein Jahr Fortbildung der Hundepsychologie absolviert und da lernt man noch lange, lange nicht alles über Hunde, was man wissen muss. Das eignet man sich später dann noch weiter an. 

 

Heißt, dass man zwar innerhalb von 1 bis 2 Jahren in der Schweiz ein Jäger wird, aber wer glaubt, dann alles, oder auch nur einen Ansatz der Biologie, Ökologie, Hunde etc. zu wissen, beweist nur, wie wenig er/sie eigentlich weiß. In Deutschland sieht das ganze übrigens noch viel schlimmer aus. Hier können Jagdscheine in Intensivkursen innerhalb weniger Wochen absolviert werden. Das so genannte „Grüne Abitur“, wie es so schön heißt und damit Hochwertigkeit vermitteln soll, ist nichts weiter als ein etwas intensiverer Workshop. Da wundert es dann wirklich nicht, wenn sich die Wissenschaft nicht durchsetzen kann und plumpe Mythen und Jägerlatein einfach nicht aus der Welt zu bekommen sind.  

 

 

6. „Wir ehren die erlegten Tiere auch indem wir ihnen „den letzten Bissen“ ins Maul legen und wir achten darauf, das wir das Tier auf die rechte Seite legen, weil das Herz links ist und so näher beim Himmel ist. Das ist für mich etwas ganz anderes als ermorden." 

 

Wow… ja, schwer erträglicher Tobak.
Gina glaubt die Tiere zu ehren, indem eben gewisse Riten vollzogen werden. So handhaben das auch einige Naturvölker oder religiöse Fanatiker. Dem Tier selbst kann das nicht einmal egal sein, da es tot ist. Für das Tier gibt es keine Ehre mehr. Das machen die Menschen für sich selbst. Um sich selbst die Absolution zu erteilen. Das Tier ist tot und auf welcher Seite es liegt, interessiert niemanden, außer den Jäger, der dann an einen spirituellen Himmel glaubt. Was hat das Tier mit unserem Glauben zu tun? 

Jäger versuchen also, ihre Tat vor sich selbst in der moralischen Tragweite abzuschwächen, bzw. die Tat für sich erträglich zu machen. Auch das ist etwas, was man durchaus bei Serienmördern findet, die ihre Tatorte entsprechend herrichten, ihre eigenen Riten kultivieren, am Ende Erinnerungsstücke der Opfer behalten und sich durch ihre Machtposition selbst legitimieren. Machtausübung ist ein wichtiges Schlagwort in diesem Zusammenhang. Wer die TV-Serie Dexter verfolgt hat, wird da nun gut die Parallelen entdecken.

Ob man die Jagd nun als Mord ansieht, oder nur als Tötung, weil es eben keine Menschen trifft, sondern nur andere Säugetiere, ist auch wieder nur eine Glaubenssache. Der Mensch ist biologisch ein Tier, und ob er wertvoller ist und die Tötung an ihm moralisch verwerflicher, als an einem anderen Tier, sei dahingestellt. Wissenschaftlich ist diese Haltung jedenfalls nicht zu rechtfertigen. Moral ist die Grundlage des gesellschaftlichen Miteinanders. Daher unterliegen auch Tiere dieser Moral. Und wer meint, andere Tiere, gar die ganze Umwelt gehöre nicht zu unserer Gesellschaft , sind also ausgeschlossen von Moral, müsste darlegen können, wo die moralische Grenze verläuft.
Das konnte bisher aber noch kein Jäger, kein Fleischesser, nicht einmal kluge Philosophen. Je mehr wir über Tiere erfahren, desto mehr müssen wir eingestehen, dass sämtliche Argumente für ein Alleinstellungsmerkmal des Menschen nichtig sind. Schmerzempfinden, Denken, Kommunikation, Bewusstsein… wir können Tiere, anhand der Wissenschaft, nicht soweit abwerten, um eine unter Menschen amoralische Handlung wie das Töten zu rechtfertigen.

Anders als Fleischesser berufen sich Jäger auf die Notwendigkeit ihres „Handwerks“ für unser Ökosystem. Aber, auch dies ist wissenschaftlich nicht haltbar, die Jagd ist komplett unnötig. Wir machen uns das aber nun an dieser Stelle mal einfach und verweisen auf ein späteres Video, eine längere Reportage, die sich dann mit dem Nutzen der Jagd detailliert und sachlich auseinandersetzt. Dies würde für dieses kurze Video hier zu lang werden und benötigt auch eine lange redaktionelle Vorarbeit. Das ganze Thema ist auch zu wichtig und zu komplex und soll in einer richtigen Reportage behandelt werden. Dann sollen auch echte Fachleute zu Wort kommen und das Thema „Jagd“ für uns abgeschlossen werden. 

Hier ging es uns um eine Gegenposition zur jungen Jägerin Gina, die stellvertretend für eine ganze Flut an neuen, konservativen, rückständigen jungen Menschen steht.
Die „Generation Rückschritt“.

 

 

 

Quelle: 

 

https://www.srf.ch/sendungen/truetalk Copyright: SRF

 

Geschützt durch das

Urheberrechtsgesetz §24 & §51

 

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Mitleid

https://de.wikipedia.org/wiki/Psychopathie

https://de.wikipedia.org/wiki/Waidgerechtigkeit

https://www.jagdverband.de/node/3304

https://de.wikipedia.org/wiki/Feldhase

https://de.wikipedia.org/wiki/Fasan

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Jagdschein 

https://www.falcat.org/2018/07/01/argumente-gegen-die-jagd/

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